Petra Schlitt

(Über)Lebenstipps für alle, die sich um ihre Eltern kümmern.

Du kümmerst dich um deine pflegebedürftigen Eltern – und dir wächst alles über den Kopf?

Hier gibt es Informationen, Praxistipps und jede Menge Verständnis für dich und deine Situation.

Im Gespräch mit Naomi Feil: Mit Validation der Demenz begegnen

Im Gespräch mit Naomi Feil: Mit Validation der Demenz begegnen

Wie kann man Menschen mit Demenz würdevoll begegnen? Wie kann man auf ihre Bedürfnisse und Gefühle eingehen, wenn sie nicht mehr wissen, wer und wo sie sind? Ich bin immer auf der Suche nach Methoden, die den Angehörigen dabei helfen können. Eine davon ist die Validation.

Diese Methode wurde in den 1980er Jahren von der Amerikanerin Naomi Feil begründet und gehört heute zum Standardrepertoire für die Arbeit mit alten und verwirrten Menschen, die an Demenz erkrankt sind.

Naomi Feil gibt weltweit Workshops zum Thema Validation und will ihr Wissen an möglichst viele Menschen weitergeben. Da sie ihre frühe Kindheit in Deutschland verbracht hat, kann sie diese Workshops sogar auf Deutsch halten.

Im Juni konnte ich die mittlerweile 83-Jährige bei einem Workshop in Würzburg live erleben. Ich war so begeistert vom temperamentvollen Vortrag dieser zierlichen, energiegeladenen Frau, dass ich sie spontan fragte, ob sie Lust auf ein Interview für meinen Blog hat. Sie sagte mir gleich für den nächsten Tag zu.

Nachdem ich sie in ihrem Hotel abholte und wir suchten uns für unser Gespräch ein – vermeintlich – ruhiges Nebenzimmer in einem Café. In der Aufnahme hört man allerdings ab und zu Geschirr und Gläser klappern. Doch ihre Begeisterung für das Thema kommt auf jeden Fall rüber..

Nach dem Interview entschieden wir uns für einen kleinen Ausflug auf die Festung Marienberg. Bei hausgemachtem Käsekuchen genossen wir die wunderbare Aussicht über Würzburg und unterhielten uns über ihre geplanten Workshops in Japan und ihren Auftritt bei der Veranstaltung „TEDx Amsterdam Women“ im Mai 2015.

Ich bin wirklich begeistert von dieser beeindruckenden Frau und ihrem unermüdlichen Einsatz für die würdevolle Begegnung mit alten und verwirrten Menschen – und dankbar für diesen lebendigen Nachmittag.

Interview mit Naomi Feil im Juni 2015



Und wenn du das Interview lieber lesen möchtest – hier gibt es die Abschrift.

Oder du lädst dir das Ganze als pdf herunter.


In diesem berührenden Video kannst du Naomi Feil und die Wirkung der Validation erleben.


In meiner Beratung erlebe ich oft, dass es Angehörigen leichter fällt, mit dem Verhalten ihrer alten Eltern umzugehen, wenn sie die Methode der Validation anwenden. Durch das Verständnis und den geänderten Blickwinkel fühlen sie sich weniger gestresst und belastet.

Hast du schon einmal Erfahrung mit den beschriebenen Situationen oder der Validation gemacht? Was hat gut funktioniert und was weniger? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Und wenn du das Gefühl hast, dass du alleine nicht mehr weiterkommst, dann schau dir doch mal mein Coachingpaket für Elternkümmerer an. In dieser Beratung unterstütze ich dich bei deinem ganz persönlichen Thema. Hier kannst du einen Termin für ein Kennenlerngespräch vereinbaren.

6 Kommentare zu Im Gespräch mit Naomi Feil: Mit Validation der Demenz begegnen

  1. Liebe Frau Schlitt,

    ich arbeite seit nun mehr als 6 Jahre in einem Pflegeheim als Alltagsbegleiter. Da ich ehrenamtlich im Hospiz tätig bin, kam ich darüber zu einem Validationsseminar was von Stefan Nolte geleitet wurde. Was ich da innerhalb kürzester Zeit gelernt habe, ist für mich heute noch unfassbar. Ich hatte davor keine Berührungsängste den Bewohnern gegenüber, dennoch war es oft schwer. Aber nach dem Seminar, war alles viel einfacher. Ich dachte immer, dass Bewohner die im letzten Stadium der Demenz sind, nichts mehr von ihrer Umwelt aufnehmen können. Doch ich wurde, sogar durch meine geliebte Oma, eines besseren belehrt.

    Sie war im Endstadium. Ich besuchte sie im Pflegeheim und nahm ein Foto von uns beiden mit. Auf dem Foto war ich etwa 3 Jahre alt und sie hielt mich fest im Arm. Ich setzte mich neben sie, so das wir uns anschauen konnten. Dann hielt ich das Foto so, dass sie das Bild sowohl auch mich sah. Wir haben früher viel Zeit miteinander verbracht. Ich erzähle ihr sehr lebendig, was mir auch nicht schwer viel, von den Erlebnissen die wir miteinander hatten. Zwischendurch musste ich auch mal lachen, worauf sich ihre Mimik veränderte. Sie schien lebendiger…und auch aufmerksam. Ich beobachtete meine Oma sehr genau. Zu Beginn schaute sie nur das Foto an. Doch nach einer Weile, blickte sie zwischen dem Foto und mir hin und her. Ihr liefen die Tränen über das Gesicht. Ich glaube ich bin zu ihr durch gedrungen… Ob sie nun erkannte, dass ich das Kind auf dem Foto bin, möchte ich nicht behaupten. Aber in dem Moment schien es so und es machte auch mich glücklich. Ich hielt meine Oma noch lange im Arm und gab ihr zum Abschied das Bild. Als ich mich noch einmal umdrehte, sah ich wie sie liebevoll das Bild berührte. Wenige Wochen später ist sie gestorben.

    Durch dieses Erlebnis wurde mir bewusst, dass man, nicht immer aber häufig, auch zu Menschen die im Endstadium sind, mit viel Ruhe und Geduld durchdringen kann.

    Dieses Wissen und auch das Erlebnis, nutze ich täglich bei meiner Arbeit mit den Bewohnern. Durch Validation habe ich schon viel erreicht, so das meine Kollegen sprachlos waren.

    Wenn man versteht wie ein Mensch der Demenz hat fühlt und ihn dann validiert, kann er trotz Krankheit noch ein würdevolles Leben führen.
    Dies ist mein persönlicher täglicher Ansporn!!!

    Liebe Grüße
    Sylvia Kimmer

    • Liebe Frau Kimmer,
      herzlichen Dank für die berührende Schilderung Ihrer Erfahrung. Wie schön, dass Sie Ihrer Oma zum Abschied dieses emotionale Erlebnis schenken konnten. Ich bin auch immer wieder dankbar, welche Reaktionen es bei den Menschen auslöst, wenn man mit Empathie auf sie zugeht, sich in ihre Realität einfühlt und das Wissen der Validation nutzt.

      Die Bewohner können wirklich froh sein, jemanden um sich zu haben, der so einfühlsam auf sie eingeht.

      Haben Sie vielleicht noch einen Tipp aus Ihrer Praxis für Angehörige, denen es schwer fällt, ihren Vater oder ihre Mutter zu erreichen?

      Herzliche Grüße
      Petra Schlitt

      • Liebe Frau Schlitt, liebe Angehörige,

        was oft, aber leider auch nicht immer hilft,
        ist viel Geduld zu haben.

        Wenn sie über Erlebnisse aus der Vergangenheit erzählen, verwenden sie die Gegenwartsform. Meistens erkennen sie ihre Mutter oder ihr Vater nicht mehr und halten Sie oft für ihre Eltern. Spielen Sie mit.
        Es geht nicht darum, dass die Situation richtig gestellt werden muss, sondern es geht viel mehr darum, das Sie ihre Mutter oder Ihren Vater erreichen. Lassen Sie sie in der Zeit in der sie sich gerade befinden.
        Singen Sie Lieder, bzw. spielen Sie Lieder aus der Zeit ihrer Angehörigen.

        Aber bitte…lassen Sie den Fernseher aus.
        Das ist eine absolute Reizüberflutung !!!
        Versuchen Sie Düfte, wie z.B. Kölnisch Wasser einzusetzen. Das gab es schon immer… Verschiede Duftöle können beruhigend wirken.

        Sie können sich aber auch in ihre Region erkundigen, ob es einen Hospizverein, oder vielleicht auch eine Alzheimer und Demenzgesellschaft gibt. Dort bekommt man auch oft Unterstützung.

        Ich weiß, es ist oft sehr schwer!!!
        Ein Erfolgsrezept gibt es leider nicht :-(((.

        Probieren Sie sich aus und haben Sie keine Angst dabei.
        Seien Sie dabei entspannt. Wenn Sie gestresst sind, spüren Ihre Angehörigen das.

        Ich wünsche allen Angehörigen viel Kraft und Geduld.
        Und denken Sie dran: Es ist nicht wichtig das Ihre Eltern wissen wer Sie sind. Sondern es ist wichtig, dass Sie wissen wer ihre Eltern sind.

        Alles Gute
        Sylvia Kimmer

  2. Liebe Frau Schlitt,

    ich glaube, dass größte Problem mit Demenzerkrankten ist, dass man sie nicht mehr versteht. Wir sehen sie sind ängstlich, unsicher und auch oft wütend. Aber das WARUM verstehen wir nicht.
    Aber wenn man weiß, wie sich jemand, der an dieser fürchterlichen Krankheit erkrankt ist, fühlt, kann man entsprechend auf ihn eingehen.
    Ich glaube, wenn man das was ich hier gleich mit anhänge, gelesen hat und auch darüber nachdenkt, erklärt sich das entsprechende handeln vielleicht von selbst.

    Liebe Grüße
    Sylvia Kimmer

    Wenn ich dement werde

    1. Wenn ich dement werde, soll mein Leben einfach, übersichtlich und vorausschauend sein und es sollte so sein, dass ich das gleiche jeden Tag zur gleichen Zeit mache, auch wenn es dauert, bis ich begreife.
    2. Wenn ich dement werde, musst du ruhig mit mir sprechen, damit ich keine Angst bekomme und nicht das Gefühl kriege, dass du böse mit mir bist. Du sollst mir immer erzählen, was du tust. Du sollst mich wählen lassen und respektieren, was ich wähle.
    3. Wenn ich dement werde, denke daran, dass es gut wäre für mich, auch schöne Erlebnisse zu haben, und wenn du mir sie erzählst, bevor ich sie erlebe.
    4. Wenn ich dement werde, brauche ich, und kriege ich viel mehr Schlaf, als ich eigentlich will. Und wenn ich schlafe, habe ich immer Angst, dass ich nicht mehr wach werde.
    5. Wenn ich dement werde, kann ich vielleicht nicht mehr mit Messer und Gabel essen, aber bestimmt gut mit den Fingern. Lass mich das tun und gebe mir Mut zu schlafen.
    6. Wenn ich dement werde, kann ich mich nicht mehr erinnern an das, was ich gerne möchte. Dann musst du lernen, es mir zu zeigen.
    7. Wenn ich dement werde, eigensinnig und boshaft und schlechte Laune habe, dann bin ich das, weil ich mich so machtlos und hilflos fühle, und das hasse ich.
    8. Wenn ich dement werde und Panik bekomme, dann nur weil ich an zwei Dinge gleichzeitig denken soll. Halt meine Hand fest und helfe mir, mich auf eine Sache zu konzentrieren.
    9. Wenn ich dement werde, bin ich leicht zu beruhigen, nicht mit Worten, sondern indem du neben mir sitzt und meine Hand ganz fest hältst.
    10. Wenn ich dement werde, verstehe ich nicht das Abstrakte, schwach Formulierte. Ich will sehen, spüren und begreifen, wovon du sprichst.
    11. Wenn ich dement werde, habe ich das Gefühl, dass andere mich schwer verstehen, und genauso ist es schwer für mich, andere zu verstehen. Mache deine Stimme leise und schaue mich an, dann verstehe ich am Besten. Mache nur wenige Worte und einfache Sätze –versuche herauszufinden, ob ich alles verstanden habe. Schaue mich an und lache, bevor du mit mir sprichst. Vergesse nicht, dass ich oft vergesse.
    12. Wenn ich dement werde, habe ich oft gar keine Lust, spazieren zu gehen, aber ich weiß hinterher, dass es mir besser geht.
    13. Wenn ich dement werde, möchte ich gute Musik hören von damals, aber ich habe vergessen welche. Lasse uns zusammen Musik hören und singen, dann fallen mir die Texte schon wieder ein. Ich mag auch gerne tanzen, aber nicht allein.
    14. Wenn ich dement werde, dann ist da manchmal gar nichts, wenn ich begreifen soll. Aber vielleicht begreife ich manches doch besser, als du denkst.
    15. Wenn ich dement werde und sage, ich will nach Hause, dann antworte mir ernsthaft, damit ich merke, dass du weißt, dass ich mich im Moment sehr unsicher fühle.
    16. Wenn ich dement werde und schimpfe, dann gehe einen Schritt zurück von mir, so dass ich spüre, dass ich immer noch Eindruck machen kann.

    • Liebe Frau Kimmer,

      herzlichen Dank für Ihre vielen Tipps und Anregungen. Ich bin mir sicher, dass sie vielen Menschen bestimmt weiterhelfen werden.

      Viele Grüße
      Petra Schlitt

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