Petra Schlitt

(Über)Lebenstipps für alle, die sich um ihre Eltern kümmern.

Du kümmerst dich um deine pflegebedürftigen Eltern – und dir wächst alles über den Kopf?

Hier gibt es Informationen, Praxistipps und jede Menge Verständnis für dich und deine Situation.

Autofahren und Demenz – wie sage ich es meinen Eltern?

Autofahren und Demenz – wie sage ich es meinen Eltern?

Deine Eltern fahren noch selbst mit dem Auto? Und du hast dabei ein ungutes Gefühl? Vielleicht sehen deine Eltern nicht mehr so gut, sind ab und zu etwas desorientiert und die Nebenwirkungen der vielen Medikamente tragen nicht gerade zur Verkehrssicherheit bei.

Trotzdem halten sie sich für fit genug, um immer noch selbst Auto zu fahren. „Ich fahre doch nur kurze Strecken“, „ich kenne den Weg doch ganz genau“, „ich fahre schon 40 Jahre unfallfrei“…

Doch machen wir uns nichts vor – es geht hier nicht nur um die Gefahr für deine Eltern, sondern auch darum, dass anderen etwas passieren könnte.

Die längere Reaktionszeit und die falsche Einschätzung von unübersichtlichen Verkehrssituationen sind der häufigste Grund für Unfälle im Alter. Sehr oft kommt es zu schweren Unfällen auf Parkplätzen, weil Gas und Bremse vertauscht wurden.

Wie schaffst du es also, deine Eltern dazu zu bewegen, nicht mehr selbst mit dem Auto zu fahren?

Es geht mir hier nicht darum, grundsätzlich allen Senioren das Autofahren zu verbieten, sondern darum, was du tun kannst, wenn du dir berechtigte Sorgen um die Fahrtauglichkeit deiner Eltern machst.

Hier sind 7 Tipps, um deine Eltern vom Autofahren abzubringen:

Tipp 1: An die Vernunft appellieren

Du redest „ein ernstes Wort“ mit deinen Eltern

„Was ist, wenn du nicht mehr rechtzeitig bremsen kannst und eine Mutter mit ihrem Kind überfährst? Muss den erst etwas passieren, bevor du einsiehst, dass du nicht mehr fahren kannst?“

In den wenigsten Fällen ist die Antwort: „In Ordnung – ich lass´ es sein“. Viel eher heißt es: „Du willst mich wohl entmündigen?!“, und das ist der Auftakt für einen handfesten Eltern-Kind-Streit.

Besonders schwierig wird es für die Männer, die bisher ihre Frauen immer überall hingefahren haben. Wenn ich meine Frau nicht mal mehr zum Friseur fahren kann – was tauge ich dann überhaupt noch?

Tipp 2: Den Hausarzt einbeziehen

Du setzt auf die Hilfe einer Autorität

Du nimmst Kontakt zum Hausarzt deiner Eltern auf und überlegst gemeinsam mit ihm, wie er diese davon überzeugen kann, dass sie aus medizinischer Sicht nicht mehr Auto fahren dürfen.

Erfahrungsgemäß gelten die Argumente anderer Autoritäten viel mehr, als die der eigenen Kinder. „Sie dürfen wegen Ihres Schlaganfallrisikos nicht mehr selbst Auto fahren“, macht auf jeden Fall nachdenklich.

Allerdings wird das für kurze Strecken häufig ignoriert: „Ich kenne ja den Weg.“

Tipp 3: Eine Fahrstunde nehmen

Du vereinbarst eine Probestunde mit einem Fahrlehrer.

Wenn deine Eltern dann offiziell erfahren, dass er nicht mehr fahrtauglich ist, fällt es ihnen leichter, das zu akzeptieren.

Du solltest den Fahrlehrer vorher entsprechend vorbereiten – sonst lautet das Ergebnis: „Mensch, toll, was Sie in Ihrem Alter noch alles können!“

Tipp 4: Die Autoschlüssel abnehmen

Du nimmst deinen Eltern die Autoschlüssel ab.

Mit dieser drastischen Maßnahme ist der Konflikt vorprogrammiert. Für deine Eltern fühlt sich das an wie ein Freiheitsentzug und eine Entmündigung durch die eigenen Kinder.

Nur das Auto einfach verkaufen ist noch schlimmer!

Tipp 5: Den Autoschlüssel verstecken

Du lässt die Autoschlüssel verschwinden.

Das ist zwar nicht ganz so drastisch, dafür aber langfristig auch keine Lösung.

Denn ständiges Nachfragen, Suchen und Irritationen sind die Folge.

Tipp 6: Das Auto wird von anderen benötigt

Du appellierst an die Hilfsbereitschaft deiner Eltern.

Deine Tochter, dein Schwager, eine liebe Freundin oder wer auch immer benötigen dringend das Auto und möchten es sich eine Weile ausleihen.

Diese elegante Methode setzt auf die Freiwilligkeit Deiner Eltern und gibt ihnen das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und helfen zu können.

Außerdem können sie dann in der Nachbarschaft von ihrer großzügigen Geste erzählen – und das ist viel angenehmer als zugeben zu müssen, dass die eigenen Kinder einen nicht mehr fahren lassen wollen.

Tipp 7: Das Auto springt nicht mehr an

Du bringst höhere Gewalt ins Spiel.

Du sorgst dafür, dass das Auto einfach nicht mehr anspringt. Ob leere Batterie, Marderbiss oder sonstige Startprobleme.

Suche dir dazu einen Verbündeten in einer Autowerkstatt oder beim Abschleppservice.

Die Mitteilung, dass es sich um ein größeres Problem mit langer Reparaturzeit oder hohen Kosten handelt, kann dafür sorgen, dass das Auto aufgegeben wird. Und oft werden diese Sachzwänge viel eher akzeptiert.

Mein Fazit:

Autofahren im Alter ist ein sensibles Thema. Es steht für Selbstbestimmung und persönliche Freiheit. Vor allem Frauen haben sich mit dem Führerschein ihre Unabhängigkeit hart erkämpft. Das aufzugeben ist ein großer Schritt.

Aber wenn du es – auch mit Hilfe einer Notlüge – schaffst, dass deine Eltern ohne Gesichtsverlust auf das Autofahren verzichten, so ist allen geholfen… Also fass dir ein Herz und überlege dir, wie und wann du das Thema angehen willst. Je eher umso besser!

Um Demenz und Autofahren ging es auch bei meinem TV-Auftritt im WDR 

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Eltern und Autofahren gemacht? Hast du noch weitere Tipps? Ich freue mich über deinen Kommentar dazu.

Und wenn du das Gefühl hast, dass du alleine nicht mehr weiterkommst, dann schau dir doch mal mein Coachingpaket für Elternkümmerer an. In dieser Beratung unterstütze ich dich bei deinem ganz persönlichen Thema. Hier kannst du einen Termin für ein Kennenlerngespräch vereinbaren.

4 Kommentare zu Autofahren und Demenz – wie sage ich es meinen Eltern?

  1. Hallo Petra,
    zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Blog. Ich finde er fantastisch, dass du dich diesem Thema annimmst und ich fand es gigantisch, dass ich, gerade als ich mich mal wieder mit diesem Thema beschäftigte, auf Beate Nordstrands Blog den Hinweis auf dich fand. Wie toll ist dass denn ? Gerade wenn man es braucht kommt einem so einen Nachricht ins Haus geflattert. Also ,ich werde dich regelmäßig besuchen und mich vielleicht auch mal bei dir ausweinen, wenn es soweit ist. (Ist das jetzt eigentlich korrekt, dass ich du sage?)
    Ich hätte zu deinen Überlegungen wie man den Eltern ( in meinem Fall ist es eine Mutter, 84 Jahre alt)das Autofahren abgewöhnt ein paar Anmerkungen.
    Wir leben auf dem Land in einem kleinen Dorf hier gibt es seit kurzem nicht mal mehr einen Laden. Wenn meine Mutter ihren Führerschein abgeben würde, wäre das auch eine sehr große Belastung für mich. Arztbesuche, Einkäufe, Friseur, Freunde besuchen, all das wäre dann nicht mehr möglich. ich müsste ganz viele Fahrten übernehmen und sie würde damit soviel von ihrer Selbstständigkeit verlieren, das wäre sehr schlimm. Außerdem kümmert sie sich noch um Bekannte und Freunde im Ort, die selbst kein Auto mehr haben. Ich denke mit Schlüssel wegnehmen und Auto manipulieren , das ist doch sehr kindisch, oder? Man muss rechtzeitig mit den Eltern sprechen. Ich fahre immer mal wieder mit meiner Mutter mit, um zu sehen wie ihre Reaktionen sind, wie sie fährt und ob es meiner Meinung nach noch im grünen Bereich liegt. Sicher weiß man nie wie die Eltern drauf sind, das kann ja an anderen Tagen ganz anders sein. Den Tipp mit dem Hausarzt finde ich gut, hier könnte man vielleicht auch mal mit dem Pfarrer sprechen, ob er nicht mal an das Verantwortungsgefühl desjenigen appellieren kann.
    Auf alle Fälle müssen dann Lösungen her. Meine Mutter weiß, dass ich immer Do und Fr nicht arbeite und sie an diesen Tagen Termine bei weiter entfernten Ärzten ausmachen kann. Ich gehen Donnerstags morgens einkaufen, sie weiß, da kann sie immer mit. Und über kurz oder lang werde ich wohl öfter für sie da sein müssen um solche Fahrten für sie zu übernehmen. Mit irgendwelchen Tricks zu arbeiten halte ich aber für falsch, außer es liegt schon einen Erkrankung(Demenz) vor und ein vernünftiges Gespräch ist überhaupt nicht mehr möglich. So das war´s es jetzt auch schon und wie gesagt, ich freue mich über deinen Blog
    Liebe Grüße
    Christiane Roscher

    • Liebe Christiane,

      ganz herzlichen Dank für deine wunderbare Rückmeldung zu meinem Blog! Ich freue mich, dass du bei mir Themen findest, die dir in deiner aktuellen Situation weiterhelfen können.

      Und ja, wir können uns gerne duzen – ich finde einfach, die Themen lassen sich dann besser besprechen.

      Danke für deine ausführlichen Überlegungen zu meinem Artikel.
      Du hast vollkommen Recht, das mit dem Autofahren ist immer eine Abwägung. Solange du den Eindruck hast, dass deine Mutter das noch gut schafft, sollte man es ihr ja auch nicht verbieten. Ich finde es sehr gut, dass du das Thema im Blick hast, denn es ist wichtig, darauf vorbreitet zu sein.

      Ich weiß, gerade in ländlichen Gebieten kommt man ohne Auto gar nicht mehr zurecht. Vielleicht könnten gemeinsam Fahrdienste organisieren, in Kooperation mit einem Taxiunternehmen oder mit jungen Leuten, die sich damit ihr Taschengeld aufbessern wollen. Das hängt natürlich wieder viel Abstimmungsaufwand dran.

      Und sicher, die Variante mit dem Auto manipulieren ist heftig. Aber was machst du, wenn jemand definitiv nicht mehr fahren sollte, weil er dadurch auch andere gefährdet? Dann sind diese drastischen Maßnahmen vielleicht angebracht. Und wenn es durch diesen „Trick“ gelingt, dass der alte Mensch nicht die eigenen Kinder als Buhmann sieht, sondern die Sachzwänge, dann ist für beide Seite etwas gewonnen.

      Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit dir, liebe Christiane,
      herzliche Grüße
      Petra

  2. Hallo Petra,
    super, dass du diese Themen besprichst. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die ‚Vernunftsargumente‘ eher in ein Entmündigungsgefühl führen. Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich darauf vertraue, dass sich meine Mutter in dieser Hinsicht selbst einschätzen kann (keine Demenz). Sie fährt immer weniger und ich denke, sie weiss, was sie sich noch zutraut und was nicht. Momentan sagt sie, sie fährt bis sie 90 ist – jetzt ist sie 89 🙂
    Gut finde ich an deinen Ideen, wie man es ohne ‚Gesichtsverlust‘ bewerkstelligen kann. Ich kann mir such gut vorstellen, dass beim Vorliegen einer Demenz auch gewisse Notlügen notwendig sind. Auch im Sinne anderer Verkehrsteilnehmer.
    herzliche Grüße
    Gerlinde

    • Hallo Gerlinde,
      das hört sich mit deiner Mutter doch nach einem guten Plan an 🙂 Wenn jemand selbst für sich und aus freiem Willen entscheidet, dass er nicht mehr Autofahren möchte, dann ist das natürlich die allerbeste Lösung.
      Herzliche Grüße
      Petra

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